Die Stimme der Tiere

Pheby, Stute, 24 Jahre

“Ich sehe und spüre das Ende des Weges. Es wird sein, wenn die Sonne scheint. Aber noch ist es nicht so weit. Wenn man weiß und fühlt, dass der Weg ein Ende hat und man diesen Weg sieht, dann fängt man an, ihn langsam zu beschreiten. Das ist nicht schlimm. Das Gras ist grüner, die Blumen gelber, die Sonne wärmer, und ich habe Liebe an meiner Seite. Vielleicht kommt er mir dadurch auch näher, spüre ich ihn wieder und vermisse ihn stärker. Er wird da sein, wenn ich gehe, neben L. , und dann bleibt er bei mir. Aber ich bin noch nicht am Ende des Weges.”

Jule, Hündin, 7 Jahre alt

„Warte schon die ganze Zeit! Hast Du jetzt Zeit für mich? Habe einiges zu sagen. Also. Ich bin nicht dumm. Das ist mir ganz wichtig. Das muss sie wissen. … Wozu sollen diese Tricks gut sein? Hat irgendjemand was davon? Für mich sind sie nicht wichtig. “

Mali, Tierschutz-Rüde, 1 Jahr alt

„Ja, Straße ist schrecklich. Überall lauern Gefahren. Ihr seht sie nicht, aber ich sehe sie. Und Ihr seit so weit weg von mir, soweit oben. Eure Beine vermitteln mir keinen Schutz, ich bin dann ganz allein.“ Wie würdest Du Dich auf der Strasse besser fühlen? „Auf dem Arm unter der Jacke. Ganz ganz nah. Nur der Kopf schaut raus. Ich weiß, so geht es nicht auf Dauer. Aber es wäre ein Anfang.“

Bashir, Shagya-Hengst

„Sie hat mich von Anfang an geliebt und an mich geglaubt. Ich bin ihr Stolz. Zu Recht. … Aber wäre da nicht vielleicht jemand, der zumindest öfter mal mit mir tobt, ohne Reiten? Spielen, jagen, springen, lachen. Das wäre so schön. Muß ja nicht immer Reiten sein. Da bin ich sowieso empfindlich.“

Mia, Hündin

„Ich trage so viel mit, ich habe keine Kraft mehr. Immer schon. Aber ich habe das Gefühl, dass der Stress bei ihr noch schlimmer geworden ist.“

Castanio, Wallach

“Und ich brauche Zeit. Ja, ich wirke souverän, aber das ist nicht ganz so. Ich bin stolz und hoheitsvoll, aber alles ist fremd. Man soll das nicht so merken, also versuche ich, mich auch nicht so zu benehmen. Sondern hoheitsvoll. Und darum jage ich auch manchmal den Wallach. Du hast Recht, es ist nicht sehr hoheitsvoll, ein altes Tier zu jagen. Ich werde darüber nachdenken.”

Anton, 5 Jahre

Angst? “Nicht bleiben zu können/sollen, nicht wichtig für sie zu sein. Ich glaube nicht daran, dass das stimmt, aber ich denke, wenn es einem plötzlich so gut geht, hat man Angst, das zu verlieren. Aber ich werde sicherlich mehr Vertrauen darin aufbauen, je länger ich hier bin. Ich mag nicht so gern Dunkelheit, ich mag nicht so gern Schatten. Lange Schatten der Bäume im Halbdunkel. Und ich habe Angst vor dem Hänger, der mich von hier wegbringen könnte. Schon, wenn er da nur steht. Aber auch das wird besser werden. Es ist noch nicht lang, dass ich weiß, dass ich hierbleiben darf. Für immer. Für immer? Dieses Vertrauen muß wachsen. Sie soll es mir bitte sagen. Ruhig öfter. Das wird helfen. Ich vertraue ihr. Natürlich. Habe sie sehr lieb.

Lotte, Hündin, ca. 10 Jahre

“Hab keine Angst. Du wirst wissen, wenn es soweit ist, es wird deutlich sein. Und dann gehe ich in Frieden und großer Dankbarkeit. Und ich gehe dann spielen in der anderen Welt, spielen, lachen, toben. Du musst Dir also keine Sorgen um mich machen. Der Tod öffnet nur die Tür. Er ist kein Ende. Hab Dich lieb!”